Dienstag, Oktober 10, 2006

(Fast) alles über Hagebutten

Hagebutten begegneten uns wohl zuerst in dem Kinderlied „Ein Männlein steht im Walde“, natürlich auch in den Bastelarbeiten im Kindergarten und Grundschule sowie heute als Tee im Supermarkt. Die feinen Härchen sind vielen vielleicht noch als Juckpulver in Erinnerung.

Aber die Hagebutte hat weit mehr verdient als nur im Teebeutel ein unscheinbares Dasein zu fristen.


Namen: Heckenrose, wilde Rose

botanisch Rosa canina = Hundsrose
Hund i.S. von hundsgemein = überall vorkommend

Eine andere Deutung besagt, daß man früher glaubte, daß die Wurzeln der Hundsrose die Tollwut heilen könnte.

Im Volksmund
Buttelrose, Buttlenstrauch, Dornröschen, Feldrose, Frauenrose, Häzlidorn, Hagebutze, Hahnebutte, Hagerose, Hamrosenbeere, Hambutte, Hainrose, Hagedorn, Hainbutten, Hiefalter, Hiefen, Hüffe, Junirose, Kippendorn, Mariendorn, Weichhagen, Weicheldorn, Weichdorn, Wipken, Wilde Rose

Frucht der Heckenrose => Hagebutte
Hag dichtes Gebüsch, Hecke
Butte/Butz landschaftlich für Kerngehäuse (z.B. Apfelbutz).
Butzen Verdickung, Klumpen

Nicht zu verwechseln mit Hagedorn = Weißdorn

Rosa rugosa = Kartoffelrose, Runzelrose

Aus Asien stammend, vor allem angebaut, z.B. in Siedlungsfreiflächen, Parks
Blüten und Früchte größer, Früchte reifen bereits im August,

nicht ganz so aromatisch, wie einheimische Hagebutte, aber genauso zu verwenden.
Eine Besonderheit der Kartoffelrose: sie kann wenn ihre Früchte bereits gereift sind, nochmals Blüten tragen. Das habe ich bei Hagebuttensträuchern noch nie beobachtet.

Erdgeschichtliches Alter:

Pflanzen der Gattung Rosa gibt es seit der oberen Kreide.



Heckenrose und Hagebutte in Geschichte, Volksdichtung und Mythen:

Bereits die Pfahlbauern sammelten Hagebutten. Man fand Samenkerne in spätneolithischen Pfahlbauten.

Bei den Kelten wurde Hundsrosenzweige als Räucherwerk genutzt.

Hippokrates empfahl die Hundsrose bei Entzündungen.
Sebastian Kneipp empfahl den Kernles-Tee zur Linderung und Reinigung.


Aus unseren Mythen und Märchen ist die Heckenrose nicht wegzudenken.

Ein Aberglaube besagte: drei Hagebutten am Weihnachtsabend, am Stefanstag, am Silvesterabend und an Neujahr verzehrt gilt als besonderer Schutz gegen Unfall und Krankheiten.
Gegen Verhexung des Viehs hilft das Nageln von so viel Hagedorne vor das Fenster wie Kühe im Stall stehen.

Das hohe Ansehen der Hagebutte kann auch daher rühren, weil sie auch im Winter an den Zweigen hängen bleiben und so die unbesiegbare Kraft der Natur kundtun.

Um Felder oder Gärten herum bot eine Dornenhecke einen guten Schutz vor ungebetenen Gästen und gleichzeitig für den Winter einen guten Vitaminvorrat.

Die schützende Heckenrose begegnet uns auch im Märchen Dornröschen.
Hier hat die Heckenrose wahrscheinlich die symbolische Bedeutung des Schutzes der Jungfräulichkeit der 15jährigen Prinzessin. Erst zur richtigen Zeit, nämlich zur Blüte der Rose durfte sich ihr ein Prinz nähern.

In der Religion ist die Rose Sinnbild der Reinheit und Keuschheit und oft auf Marienbildern zu sehen.


Tausendjähriger Rosenstock von Hildesheim


Die Legende vom Rosenstock, einer wilden Heckenrose, geht bis in die Gründungsgeschichte des Bistums Hildesheim um das Jahr 815 zurück. Schriftlich bezeugt ist er seit über 400 Jahren. Acht Wochen nach der völligen Zerstörung des Hildesheimer Domes im März 1945, bei der auch der Rosenstock verbrannte, sprossen aus seiner von Trümmern verschütteten Wurzel 25 neue Triebe hervor.

Der Legende nach hielt sich Kaiser Ludwig der Fromme, ein Sohn Karls des Großen, um das Jahr 815 auf seiner Pfalz in Elze auf. Von dort aus ging er auf die Pirsch und kam mit seiner Begleitung in die heutige Hildesheimer Gegend, 18 Kilometer entfernt von der Elzer Pfalz. Auf einem Hügel im Wald ließ er nach erfolgreichem Jagdausflug seine Zelte aufschlagen und Gottesdienst feiern. Dazu waren aus der höfischen Kapelle eigens Reliquien mitgenommen worden. Nach Rückkehr zur Pfalz erinnerte sich der Hofkaplan daran, daß er das Reliquiengefäß in einem Gebüsch vergessen hatte. Er eilte zurück und fand das kostbare Reliquiar, konnte es aber trotz aller Bemühungen nicht aus den Ranken der wilden Heckenrose lösen. Der Kaiser erkannte darin eine "Offenbarung göttlichen Willens" und ließ an dieser Stelle zu Ehren der Gottesmutter eine Kapelle errichten. Um den Bau legte er die Ranken des Rosenstrauches. Heute umrankt dieser Rosenstock die Ostapsis des Domes und hat als "Tausendjähriger Rosenstock" Berühmtheit erlangt. An der Stelle wo Ludwig der Fromme die Marienkapelle bauen ließ und das Bistum Hildesheim gründete wurde 852 durch Bischof Altfrid (851-874) der Grundstein für den ersten Dom gelegt. Nach Zerstörung dieses Domes durch ein Feuer im Jahre 1046 wurde 1061 der von Bischof Hezilo (1054-1079) erbaute zweite Dom eingeweiht. Am 22. März 1945 wurde auch dieser Dom durch den Krieg vollständig zerstört. Der Rosenstock mußte anschließend aus tiefem Schutt ausgegraben werden und begann erneut zu blühen.

Eine alte Volkssage erzählt, der Heckenrosenstrauch habe seine sichelförmigen, abwärts gekrümmten Dornen daher, weil einst der Teufel vergeblich versucht hat, die langen Zweige als Leiter in den Himmel zu benutzen. Als er feststellte, daß das nicht ging, habe er aus lauter Ärger die Dornen alle nach unten gebogen.


Merkmale:
  • 1 – 3 m, mitunter sogar noch höherer Strauch mit kräftigen gekrümmten Stacheln
  • Äste aufrecht oder bogig überhängend
  • Unpaarig gefiederte Blätter
  • Blüten nur schwach bis gar nicht duftend
  • Jeweils 5 Rosafarbene bis weiße Kronblätter
  • 1,5 – 2 cm lange, eiförmige, rote Frucht (Hagebutte)


Standort:
  • Wald- und Wegränder, Gebüsche, Hecken, Feldgehölze und trockene Hänge
  • Gern auf tiefgründigem, lockeren Boden


Verbreitung 

In fast ganz Europa, einem Teil des gemäßigten Asiens
In den Alpen bis 1500 m Höhe


Blütezeit:

Fast ausschließlich Juni



Reifezeit:
  • ab September/Oktober
  • Hagebutten sind sogenannte Scheinfrüchte, in deren Inneren sich zahlreiche seidig behaarte Samen, steinharte Schließfrüchte; (Nüsschen), verbergen


Bedeutung in der Natur:


  • Heckenrosen eignen sich gut als Bodenfestiger an Hängen und Böschungen.
  • Für Insekten, Vögel und Wild ist sie ein guter Schutz und Nahrungslieferant, vor allem auch im Spätherbst und Winter


Anbau:
  • Da die Heckenrose weit verbreitet ist, braucht man sie eigentlich nicht anbauen. Wer jedoch einen naturnahen Garten anlegen will, kann gut Heckenrose, aber auch Schlehen und Holunder anpflanzen.
  • Als Wildrose sehr robust und widerstandsfähig, anspruchslos, pflegeleicht
  • da sie wurzelecht sind und keine oder kaum züchterische Bearbeitung erfahren haben
  • Vermehrung durch Stockteilung oder Aussaat


Wirk- und Inhaltsstoffe:

Hagebutten

  • Neben Sanddorn und Schwarzer Johannisbeere gehört die Hagebutte zu den vitamin-C-reichsten Früchten.
  • Zitronensäure, Apfelsäure, Zucker, Pektin
  • Geringe Mengen Carotin, Gerbstoff, ätherisches Öl, Flavone

Kerne

  • Vanillin
  • Fruchtsäuren, Kieselsäuse
  • Fettes Öl


Wirkungsweise und Verwendung:

  • Vitaminspendend
  • Harntreibendes Mittel (insbes. die Kerne)
  • Allgemeine Kräftigung, appetitanregend (insbes. das Mus)
  • mild abführend

Anzeige:
  • Bei Vitamin-C-Mangelzuständen
  • Bei entzündlichen Nierenerkrankungen, Blasenbeschwerden
  • Bei Grieß- und Steinbildung von Niere und Galle

  • Altes Hausmittel bei Erkältungskrankheiten
  • Hagebutten sind in vielen Teemischungen enthalten
  • Häufigste Kombination: Hagebutte – Malve bzw. Hibiscus
  • als Haus- und Erfrischungstee heiß oder kalt getrunken

Wenn man im Hochwinter spazieren geht und noch vereinzelte Hagebutten am Strauch findet, dann sollte man mal probieren, sie roh zu essen. Man pflückt die durch den Frost weiche, aber noch rote Frucht, öffnet sie vorsichtig und isst das Fruchtfleisch. Man hat das Gefühl, pures Vitamin C zu essen. Es schmeckt unheimlich fruchtig. Und man kann sich gut vorstellen, wie wertvoll diese Vitaminbombe für unsere Vorfahren in den harten Wintern gewesen sein muss.
Wir sollten aber auch den Vögeln und anderen Tieren noch etwas übrig lassen,




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Älteste Form der Haltbarmachung - Trocknung

  • Reife Hagebutten sammeln, entkernen und Trocknen der Fruchthülle bei ca. 40 °C.
  • Zum Trocknen breit auslegen (bei Kontakt Schimmelgefahr, immer regelmäßig kontrollieren und gegebenenfalls aussortieren)
  • Getrocknete Früchte nicht in Metallgefäßen aufbewahren, da das enthaltene Vitamin C zu Oxydationsreaktionen neigt.
  • (Geeignete Gefäße aus Ton, Keramik, dunklem Glas oder Holz).
  • Kerne nicht wegwerfen ! Sie können getrocknet werden und gemahlen als Vanilleersatz verwendet werden.


Hagebuttentee:

Von frischen Hagebutten:

durchgeschnittene Hagebutten mit oder ohne Kernen ein paar Minuten kochen und anschließen 10 min ziehen lassen. Bei Verwendung der Hagebutten mit Kernen muß man den Tee durch einen Filter bzw. sehr feines Sieb seihen.

Von getrockneten Hagebutten:

2 gehäufte TL zerkleinerte Früchte mit ¼ l Wasser übergießen und bis zum Sieden erhitzen, 10 min lang köcheln lassen, abseihen und gesüßt bzw. ungesüßt trinken


Kernles-Tee


Zutaten für einfache Menge:
2 EL Hagebuttenkern
½ l Wasser

Die Hagebuttenkerne werden mit dem Wasser in einen Topf gegeben. Man läßt sie dann zugedeckt über Nacht ziehen. Am nächsten Tag mit geschlossenem Deckel zum Kochen bringen und 30 min köcheln lassen. (Die Flüssigkeit muß sich rot färben). Den Tee durch ein Sieb gießen. Nach Geschmack süßen.

Dieser Hagebuttentee schmeckt etwas nach Vanille und wirkt harntreibend. Der Tee wird in der Volksheilkunde bei Nieren- und Blasensteinen oder -grieß eingesetzt.

Hagebuttenmark



500 g Hagebutten
100 ml Wasser

Die Hagebutten verlesen, Stiel- und Blütenreste entfernen. Die Früchte halbieren und die Kerne entfernen (Kerne aufbewahren). Die Fruchtschalen sehr gut waschen, bis die Samenhärchen ebenfalls herausgelöst sind. Die Fruchthälften in einen Topf geben und knapp mit Wasser bedecken. Mit einem Deckel schließen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag aufkochen und 30 min köcheln lassen. Dann sollten die Schalen weich sein. Alles durch ein Sieb (oder Flotte Lotte) streichen. Das Mus kann noch gesüßt und mit Zitronensaft verfeinert werden.
Tipp:
Die aufbewahrten Kerne können zur Herstellung von Kernles-Tee verwendet werden.

Variante:

Recht reife Hagebutten mit wenig Wasser in ca. 45 Minuten weich kochen oder dämpfen, pürieren und anschließend durch ein feines Haarsieb (oder Flotte Lotte) streichen.
Anschließend Mark weiterverarbeiten.


Hagebutten-Apfel-Marmelade

500 g Hagebuttenmark
500 g dickes Apfelmus
800 g Zucker
Saft einer Zitrone

Mark und Mus 15 Minuten kochen, Zucker zugeben, noch einmal 5 Minuten kochen lassen, Zitronensaft zugeben und heiß in Gläser füllen und verschließen.


Hagebuttencreme

4 Eier
150 g Zucker
500 g Hagebuttenmark
1/8 l Weißwein
abgeriebene Zitronenschale
½ Päckchen Gelatine

Eier trennen. Eigelbe mit 2 EL heißem Wassser und Zucker schaumig schlagen.
Hagebuttenmark, Wein und Zitronenschale hinzufügen. Die Gelatine, nach Vorschrift aufgelöst, hinzugeben. Kalt stellen. Kurz vor dem Erstarren die steif geschlagenen Eiweiße unterheben.
Creme in Gläser füllen und kalt servieren.





Hagebuttensuppe


200 g Hagebuttenmark (siehe Rezept)
150 g Apfelmus
¼ l Weißwein
1/8 l Wasser
2 EL Zucker,
1 TL Speisestärke
1 Msp. Zimt

Hagebuttenmark und Apfelmus mit Wein, Wasser, Zucker und Zimt verrühren und aufkochen. Speisestärke mit etwas kaltem Wasser anrühren, in die Suppe geben und nochmals kurz aufkochen. Die Suppe kann warm und kalt gegessen werden.
Beilagen: Grießklößchen, Haselnussklößchen, Eischneeklößchen, Cornflakes.
Tipp:
Für Kinder sollte die Suppe mit einer Mischung aus Apfel- und Zitronensaft anstelle des Weins zubereitet werden.


Gedünstete Hagebutten als Beilage zu Wild oder dunklem Braten


250 g Hagebutten
250 ml Weißwein
2 EL Zucker

Frische Hagebutten verlesen, halbieren und die Kerne und Härchen entfernen. Die Hagebuttenhälften ca. 10 min wässern. Anschließend die abgetropften Schalen in Weißwein mit Zucker in ca. 10 - 15 min weichdünsten.
Tipp:
Die Hagebutten können noch durch gedünstete Apfelstückchen ergänzt werden. Der Weißwein läßt sich auch durch etwas Brühe oder Apfelsaft ersetzen.


Rohe Hagebuttenmarmelade


700 g Hagebutten
500 g Honig
1 Msp. Vanille, gemahlen

Die frisch gepflückten Hagebutten waschen und halbieren. Stiele, Blüten und Samen entfernen. Die fleischigen Schalen pürieren und abwiegen. Mit der gleichen Menge Honig mischen und mit Vanille würzen. Marmelade in vorbereitete Twist-off-Gläser (Marmeladen-Gläser) füllen. Diese Marmelade muss trocken und kühl gelagert werden. Auf diese Weise ist sie ca. 3 Monate haltbar.
Tipp:
Der hohe Vitamingehalt der Hagebutte bleibt bei dieser Zubereitungsart weitgehend erhalten. Würzen kann man mit Zimt, Nelkenpulver oder Zitronenschale.
Die Marmelade lässt sich auch aus tiefgekühlten Hagebutten machen.



Außerdem möchte ich Sie auf meinen neuesten Blog aufmerksam machen, er ist allerdings noch nicht komplett.
Meine Vegetarischen Lieblingsrezepte:
nussbraten-und-andere-rezepte.blogspot.com




Links zu anderen Seiten:
Hagebuttenrezepte mit Photos 

1 Kommentar:

Jan Temmel hat gesagt…

Sehr informativ und vollständig! Dankeschön!

Habe die Seite mal bei mir im Blog verlinkt:
http://www.naturundfreiheit.de/wildpflanzen/hagebutten-rezepte-marmelade